Projektbereich C - Sicherheit

In der ersten Förderperiode des SFB untersuchte der Projektbereich Sicherheit das Problem, ob und wie Sicherheit in Räumen hergestellt wird, in denen staatliche Kontrolle und Kapazität defizient sind. Dazu wurden Räume ausgewählt und erforscht, in denen Sicherheit zu einem knappen oder sogar privatisierten, kommerziellen Gut geworden ist. Ausgehend von der Beobachtung, dass an der Verknappung bzw. Wiederherstellung von Sicherheit – neben dem Staat – ein breites Spektrum unterschiedlicher Akteure beteiligt ist, konzentrierte sich die Arbeit der Teilprojekte auf die Klärung der Fragen, von wem wie und in welcher Qualität Sicherheit bereitgestellt wird und wie viel Staat nötig ist, um Sicherheit zu erbringen. Dabei wurden sowohl Formen transnationaler Sicherheits-Governance fokussiert (C1 Zürcher, C3 Braig/Maihold) als auch die Relevanz unterschiedlich stark ausgeprägter „Schatten der Hierarchie“ in Verbindung mit materiellen Gelegenheitsstrukturen und lokalen Konfliktdynamiken analysiert (C2 Chojnacki). Insgesamt wurde ein breites Spektrum handelnder Akteure in komplexen Mehrebenenkonstellationen herausgearbeitet. In allen Fällen stellten wir fest, dass die Strategien der Sicherheitsakteure räumlich und zeitlich stark variieren und sie ihr Handeln häufig mehrdeutig an unterschiedlichen Orten und zu verschiedenen Zeiten gestalten. Im Hinblick auf den Aspekt der Sicherheitsproduktion hat sich die Unterscheidung in „Bereitstellung physischer Sicherheit“ und „an Regeln und Normen gebundene Sicherheit“ als produktiv erwiesen. Hinsichtlich der unterschiedlichen Modi der Handlungskoordination und den damit verbundenen Machtverhältnissen ist die Differenzierung zwischen Sicherheitsempfängern (Sicherheit für wen?), der Qualität von Sicherheit (Sicherheit als Privat-, Club- oder Kollektivgut) und Sicherheitsproduzenten (Sicherheit durch wen?, z.B. private Militärfirmen, lokale Milizen oder Warlords) als erster Schritt zur Typologisierung des komplexen Akteursgeflechts hilfreich.

Der Projektbereich C wird in der zweiten Förderperiode an dieser Typologisierung weiterarbeiten und dazu die Analyse der Modi der Handlungskoordination und die Untersuchung von Staatlichkeit als Kontextbedingung von Sicherheits-Governance vertiefen (SFB-Ziele 1 und 2). Dabei wird der Projektbereich interdiszplinär verstärkt durch zwei historische (C4 Lehmkuhl/Finzsch, C5 Rinke) und ein juristisches Projekt (C8 Krieger). Empirisch nehmen sowohl die historischen als auch die gegenwartsbezogenen Projekte Übergangsgesellschaften und Governance-Formen in den Blick, die durch transitorische Konstellationen des Regierens in (historischen) Umbruchsituationen gekennzeichnet sind.

Gewaltereignisse Somalia (zur Vergrößerung klicken)

Teilprojekt C2

Prof. Dr. Sven Chojnacki

01.01.2006 — 31.12.2017

Sicherheit wird in Räumen begrenzter Staatlichkeit auch ohne den (National-)Staat durch nicht-staatliche Akteure gewährleistet. Dabei treffen das räumliche und zeitliche Angebot von/sowie die Nachfrage nach Sicherheit auf unterschiedlichen Ebenen zusammen. Wir fragen: wann, wo und unter welchen Bedingungen stellen nicht-staatliche Akteure auf der Angebotsseite Sicherheitsleistungen bereit und welche Formen von Sicherheits-Governance entstehen dadurch in Räumen begrenzter Staatlichkeit? Auf ...

Variablenmodell C3

Teilprojekt C3

Prof. Dr. Marianne Braig, Günther Maihold

01.01.2006 — 31.12.2017

Das Teilprojekt C3 untersucht, wie externe Akteure (wie z.B. die USA oder internationale Organisationen) daran mitwirken, organisierte Kriminalität in Mexiko, El Salvador und Guatemala zu bekämpfen und Sicherheit herzustellen. Solche Beiträge werden unter dem Begriff „transnationale Security-Governance“ zusammengefasst. Darunter verstehen wir Gewaltkontrolle und physische Sicherheit genauso wie die Etablierung verbindlicher Regelungen für die Sicherheitserbringung und ihre ...

Forschungsregion C5

Teilprojekt C5

Prof. Dr. Stefan Rinke

01.01.2006 — 31.12.2017

Das Teilprojekt C5 untersucht die Herstellung von Sicherheit in den Grenzbereichen zwischen den USA und Mexiko sowie Argentinien und Chile in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es konzentriert sich dabei auf die kollektiven und soziokulturellen Voraussetzungen für Sicherheits-Governance in den kulturell heterogenen Gebieten. Zeitlich schließt es an das Teilprojekt B5 an, das in der ersten Förderphase die Legitimierung von Regieren über Partizipation während der Übergangsphase ...

Forschungsregion C6

Teilprojekt C6

Prof. Dr. Ursula Schröder

01.01.2009 — 31.12.2017

In vielen Räumen begrenzter Staatlichkeit bieten Staaten ihrer Bevölkerung weder ausreichende Sicherheit noch Schutz vor Bedrohungen. Durch umfassende internationale Hilfsmaßnahmen sollen in einigen dieser Fälle effektive und legitime Sicherheitsordnungen hergestellt werden. Beispiele sind die laufenden Reformen in Liberia nach dem Ende eines 14jährigen Bürgerkriegs im Jahr 2003, in Timor-Leste nach dem Unabhängigkeitsreferendum im Jahr 1999, und in den Palästinensischen Gebieten im ...

Teilprojekt C8

Prof. Dr. Heike Krieger

01.01.2009 — 31.12.2017

Das Teilprojekt C8 beschäftigt sich mit Fragen der Durchsetzung des humanitären Völkerrechts. Obwohl das humanitäre Völkerrecht unter anderem den Schutz der Zivilbevölkerung in bewaffneten Konflikten bezweckt, machen Zivilisten weiterhin einen großen Anteil der Opfer in solchen Konflikten aus. Die Gründe für absichtliche Gewalt gegen die Zivilbevölkerung sind vielschichtig; sie kann unter anderem eine Methode zur Durchsetzung von bestimmten politischen Zielen sein (z.B. ethnische ...

Teilprojekt C9

Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Daxner

01.07.2010 — 31.12.2017

Das Teilprojekt C9 untersucht die Wirkung der Entwicklungs- und Militärintervention auf lokale Sicherheit, auf die Einstellung der Bevölkerung gegenüber den externen Interventen und auf die Legitimation und Fähigkeiten des Staates in Nordost-Afghanistan. Wir konzentrieren uns auf diese Punkte, weil verbesserte Sicherheit, legitimere Staatlichkeit und eine positive Einstellung gegenüber der internationalen Intervention Anzeichen für einen Wendepunkt in gewaltsam zerfallenen Staaten wären. ...

C - Sicherheit — abgeschlossen

Forschungsregionen C4

Teilprojekt C4

Ursula Lehmkuhl, Norbert Finzsch

01.01.2010 — 01.10.2011

Das Teilprojekt C4 untersucht anhand von drei systemischen und drei politisch-gouvernementalen Faktorenbündeln den Zusammenhang von Governance und Gewalt im Kontext der amerikanischen und australischen Besiedlungsgeschichte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Siedlerimperialismus). Dabei wird das Verhältnis der Siedler zur indigenen Bevölkerung in den Vordergrund gestellt. Historisch wird die frühe Republik (USA) bzw. der Übergang Australiens von der Kronkolonie zum Dominion in den ...