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Programm
Der Sonderforschungsbereich 700 „Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit" beschäftigt sich mit der Frage:
Wie und unter welchen Bedingungen wird in Räumen begrenzter Staatlichkeit regiert, und welche Probleme entstehen dabei?
In Gebieten, in denen Staaten sich nicht durchsetzen können, untersucht der SFB 700 Governance, d.h. die vielfältigen Formen des Regierens. Wie werden kollektive Güter hergestellt, wenn Staaten kein Gewaltmonopol haben? Wie werden verbindliche Regeln (durch)gesetzt, wenn Staaten die Kapazitäten dazu fehlen?
Die klassische Governance-Forschung setzt in der Regel Kernelemente moderner Staatlichkeit als Hintergrundbedingung voraus. Diese Kernelemente moderner Staatlichkeit manifestieren sich in einer dem modernen Staat eigenen institutionellen und normativen Prägung, die sowohl in gegenwärtigen Räumen außerhalb der OECD-Welt als auch in historischen Räumen begrenzter Staatlichkeit häufig fehlt oder in Form von funktionalen Äquivalenten auftritt. Zur Untersuchung von „Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit“ ist es deshalb notwendig, die verschiedenen Governance-Konzepte auf ihre Anwendbarkeit und Übertragbarkeit auf Räume außerhalb der entwickelten OECD-Welt zu überprüfen. Die Erfassung und Analyse der vielfältigen Formen des Regierens in Räumen begrenzter Staatlichkeit setzt die konzeptuelle und kulturelle Übersetzung der verschiedenen Governance-Konzepte voraus. Dies ist das zentrale theoretisch-konzeptionelle und empirisch-analytische Anliegen des SFB 700 in der zweiten Förderperiode. In normativer Hinsicht fragen wir nach den Bedingungen, die effektives und legitimes Regieren auch in Räumen begrenzter Staatlichkeit ermöglichen. Über die Untersuchung von Governance in historischen Räumen begrenzter Staatlichkeit soll die Anwendbarkeit und Übertragbarkeit der Governance-Konzepte auch in der zeitlichen Dimension überprüft werden. Dabei zielt die Analyse von Governance in kolonialen Räumen auch auf die Erfassung möglicher post-kolonialer Ursachen für aktuelle Governance-Probleme.

