Projektbereich B - Governance-Institutionen

In der ersten Förderphase widmete sich der Projektbereich B den institutionellen Voraussetzungen von Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit. Die politikwissenschaftlichen und historischen Teilprojekte untersuchten, unter welchen Bedingungen, wie und in welcher Form Governance-Leistungen ohne einen staatlich erzeugten „Schatten der Hierarchie“ erbracht werden. Mit der durch die Präzisierung des Herrschaftsbegriffs erfolgten Umorientierung auf hierarchische wie nicht-hierarchische Governance-Institutionen beschäftigt sich der Projektbereich B in der zweiten Förderperiode mit der Problematik des „legitimen Regierens“, also der Frage nach der normativen Anerkennungswürdigkeit und der faktischen Anerkennung von Governance-Institutionen in Räumen begrenzter Staatlichkeit. Dabei kann Legitimität sowohl über effektive Problemlösungsfähigkeit als auch über Input-bezogene Legitimationsprinzipien begründet werden.

Die Konzentration auf Governance-Institutionen und der Fokus auf „legitimes Regieren“ implizieren, dass sich der Projektbereich B stärker als die beiden anderen Projektbereiche mit Querschnittsfragen befasst, die den SFB als Ganzes angehen. Die mit Governance-Institutionen verbundenen Querschnittsfragen halten wir für so zentral für den SFB, dass wir ihnen einen ganzen Projektbereich widmen.

Im Lichte der sechs Forschungsziele des SFBs haben sich für uns drei Fragenkomplexe herauskristallisiert, welche die Teilprojekte miteinander verbinden. Wir befassen uns erstens mit den Kriterien und zweitens mit den Voraussetzungen von Governance-Institutionen und ihrer Legitimität sowie drittens mit den Veränderungen beider im Laufe der Zeit.

Forschungsregion B2

Teilprojekt B2

Prof. Dr. Tanja Börzel

01.01.2006 — 31.12.2017

Weltweit gibt es über 130 regionale Organisationen, verteilt über alle Kontinente. Prominente Beispiele sind ECOWAS in Afrika, ASEAN in Asien, Mercosur in Südamerika. In Räumen begrenzter Staatlichkeit kommt ihnen eine besondere Rolle zu. Das Teilprojekt B2 befasst sich mit dem Beitrag solcher regionaler Organisationen zum Aufbau legitimer und demokratischer politischer Strukturen in den Mitgliedstaaten (Governance-Transfer). Dabei unterstützt uns eine Reihe von Experten mit Fachwissen ...

Teilprojekt B7

Prof Dr. Gunnar Folke Schuppert

01.01.2006 — 31.12.2017

Das von Prof. Schuppert geleitete Teilprojekt B7 „Rule of Law als Governance-Ressource in Räumen begrenzter Staatlichkeit“ untersucht die Konsequenzen, die sich aus den Besonderheiten von Räumen begrenzter Staatlichkeit für das Recht und insbesondere die Rule of Law ergeben. Ausgehend von dem zunehmenden Prozess der Entstaatlichung der Rechtsetzung und Rechtsdurchsetzung fragt das Projekt: Wie entstehen legitime und sichere Normordnungen jenseits des Staates? Wie lassen sich die zu ...

Teilprojekt B9

Prof. Dr. Bernd Ladwig

01.01.2010 — 31.12.2017

Die ungleiche Verteilung politischer Macht bedarf der moralischen Rechtfertigung: Sie muss sich aus Perspektive der ihr Unterworfenen als legitim, das heißt als zustimmungswürdig erweisen. Für die normative politische Theorie besteht in Räumen begrenzter Staatlichkeit die besondere Herausforderung darin, dass wesentliche Grundvoraussetzungen legitimen Regierens nicht erfüllt sind. Zwei zentrale Probleme treten auf: Zum einen ist unklar, wer überhaupt befugt ist, allgemeinverbindliche ...

Forschungsregion B10

Teilprojekt B10

Prof. Dr. Stefan Esders

01.01.2010 — 31.12.2017

  Das Teilprojekt untersucht mit Blick auf den Übergang von antiker zu mittelalterlicher Staatlichkeit Institutionen und Modi von Governance in den Bereichen Recht, Sicherheit und Ordnung in den Nachfolgereichen des Römischen Imperiums. Nach dem Niedergang der kaiserlichen Herrschaft im Westen Europas, ergriffen einstige foederati, Barbaren im Dienste des römischen Heeres, die Macht in beinahe allen Provinzen. Unsere Forschungen konzentrieren sich dabei auf das Ostgotenreich in Italien und ...

Teilprojekt B13

Prof. Dr. Klaus Mühlhahn

01.12.2012 — 31.12.2017

Das Projekt untersucht die Entwicklung von Institutionen und Formen legitimen Regierens im Umgang mit inländischen Flüchtlings- und Migrationsbewegungen in den beiden nordchinesischen Städten Tianjin und Qingdao unter den Bedingungen des Übergangs von der Republik China zur sozialistischen Volksrepublik in den Jahren zwischen 1945 und 1957. Nach 1949 gelang es dem neu gegründeten sozialistischen Staat relativ schnell, mithilfe neuer Methoden und Technologien wie Haushaltsregistern, ...

B - Governance-Institutionen — abgeschlossen

Forschungsregion B6

Teilprojekt B6

Cilja Harders

01.01.2010 — 31.12.2013

Dezentralisierungsprozesse werden häufig durch internationale Akteure initiiert und finanziert. Über die konkreten Wirkungen dieser Programme auf lokale Governance-Institutionen in den autoritären Kontexten begrenzter Staatlichkeit ist jedoch bisher nur wenig bekannt. Wir untersuchen daher wie sich Dezentralisierungsprozesse in den autoritären Monarchien Marokko und Jordanien auf lokale Governance-Institutionen auswirken. Vier Fragen interessieren hierbei besonders: (1)   Wie verändern ...

Teilprojekt B8

Beate Rudolf

01.01.2010 — 30.06.2011

Völkerrechtliche Normen werden für das Handeln von Staaten entwickelt. Das Teilprojekt B8 untersucht über staatliche Grenzen hinaus agierende Akteure auf ihre Konformität mit dem Völkerecht. Es unterscheidet dabei drei Typen von Akteuren: staatliche (1), hybride (2) und nichtstaatliche (3). (1) Die UN-Übergangsverwaltung ersetzt im Kosovo die staatliche Bereitstellung von Sicherheit, von lebenswichtigen Gütern sowie von funktionierenden Regierungsstrukturen. (2) Die USA und ...