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Home » Teilprojekte » Projektbereich B » B10 - Governance im Übergang von antiker zu mittelalterlicher Staatlichkeit



B10 - Governance im Übergang von antiker zu mittelalterlicher Staatlichkeit

Institutionen und Modi von Governance im Übergang von der antiken zur mittelalterlichen Staatlichkeit: „Rule of law“, Sicherheit und Ordnung in frühmittelalterlichen Reichsbildungen

 

Das Teilprojekt untersucht mit Blick auf den Übergang von antiker zu mittelalterlicher Staatlichkeit Institutionen und Modi von Governance in den Bereichen Recht, Sicherheit und Ordnung in den Nachfolgereichen des Römischen Imperiums. Nach dem Niedergang der kaiserlichen Herrschaft im Westen Europas, ergriffen einstige foederati, Barbaren im Dienste des römischen Heeres, die Macht in beinahe allen Provinzen. Unsere Forschungen konzentrieren sich dabei auf das Ostgotenreich in Italien und das Frankenreich in Gallien.

Diese Nachfolgestaaten wurden auf den Überresten römischer Staatlichkeit errichtet, sahen sich aber mit massiver politischer und sozialer Desintegration konfrontiert. Ethnische, religiöse, kulturelle und sprachliche Fragmentierung führten alsbald zu Problemen  bei der Legitimierung Herrschaft. Darüber hinaus verringerten Rechtsunsicherheit, hohe Gewaltbereitschaft, Selbstjustiz und Fehden die ohnehin begrenzten staatlichen Durchsetzungsmöglichkeiten. Das Projekt untersucht welche Schritte eingeleitet wurden, um verbindliche Normen, gerichtliche Schritte und Diskurse zu etablieren, die zur langfristigen Stabilisierung und Konsolidierung der  politischen Ordnung beitrugen.

 

Die Schwerpunkte unserer Forschung sind im Einzelnen:

 

1. Promissorische Eide als Mittel der Selbstbindung (Esders): Mechanismen der Selbstbindung wurden aus der militärischen Vergangenheit  der Barbaren übernommen und auf die res publica transferiert, wodurch  Staatlichkeit vertraglich begründet wurde.

2. Sich wandelnde Vorstellungen von Treue im politischen Diskurs des Gotenreiches (Grundmann). Das dauernde Problem des Verrates deutet auf hochdynamische Interpretationen von ‚Treue‘ hin. Die Analyse der Bedeutung und der Gebrauch von Schlüsselbegriffen wie fides in öffentlichen Diskursen vermag zum Verständnis dieser Dynamik beizutragen.

3. Die Funktionalität der Geldstrafen in frühmittelalterlichen Gesetzbüchern (Bothe). Die Analyse der Logik monetärer Entschädigungszahlungen in den ‚barbarischen‘ Rechtsbüchern gibt Aufschluss über die Kommerzialisierung rechtlicher Verfahren und Gerichtsrechte, wobei dieser Prozess als Rückzug von Staatlichkeit und bewusste Delegation von Hoheitsrechten an lokale Akteure interpretiert wird.

 

 

 

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Stand 04.02.2012

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