Projekt

 

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben Internationale Organisationen und Staaten Programme entwickelt, um (Good) Governance in Drittländern zu fördern. Außerdem wurden regionale Organisationen mit einem breiten Mandat ausgestattet, um sich in Mitgliedstaaten und Drittländern aktiv für die Entwicklung legitimer Governance-Institutionen einzusetzen. Auf diese Weise könnten sie nicht nur die Evolution regionaler Ordnungen fördern, sondern auch einen Wandel nationaler Strukturen auslösen.

Das Projekt „Governance Transfer by Regional Organizations“ untersucht den Transfer von Governance-Institutionen von regionalen Organisationen in Räume begrenzter Staatlichkeit. In einem ersten Schritt erfassen wir, welche Ziele, Ansätze und Instrumente diese externen Akteure nutzen, um die Schaffung oder den Wandel von Institutionen in Zielländern zu fördern. Fordern und fördern die regionalen Organisationen ähnliche Kriterien für Good Governance oder bleiben regionale und lokale Praktiken bestehen? Unser Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen regionalen Organisationen zu erklären und einen Eindruck davon zu gewinnen, wie es um die Effektivität und Legitimität von regionalem Governance-Transfer bestellt ist.

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, analysieren wir mit der Hilfe von Experten neun Organisationen:

Regionalorganisation Experte Institution
Afrikanische Union (AU) Julia Leininger Deutsches Institut für Entwicklungspolitik
Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) Christof Hartmann Universität Duisburg-Essen
Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika (SADC) Merran Hulse, Anna van der Vleuten Radboud University Nijmegen
Gemeinsamer Markt des Südens (Merocsur) Andrea Ribeiro-Hoffmann Universität Erfurt
Andengemeinschaft (CAN) Osvaldo Saldías Freie Universität Berlin
Nordamerikanisches Freihandelsabkommen (NAFTA) Francesco Duina Bates College
Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) Anja Jetschke Universität Freiburg
Arabische Liga (LAS) Vera van Hüllen Freie Universität Berlin
Europäische Union (EU) Carina Breschke Freie Universität Berlin

Unsere ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass es einen globalen Trend zum aktiven Transfer von Governance-Institutionen durch regionale Organisationen gibt. Im Detail zeigt sich aber, dass die Organisationen unterschiedliche Standards vorschreiben und unterschiedliche Instrumente nutzen, um diese mehr oder weniger aktiv voranzutreiben. Während die Standards beispielsweise im Fall von ASEAN vage bleiben, verfügt ECOWAS über strenge und verbindliche Kriterien für Institutionen in Mitgliedstaaten. ECOWAS versucht, diese mit Hilfe von Beobachtermissionen, der Suspendierung von Mitgliedern oder auch militärischen Interventionen durchzusetzen.

Nach dem Erfassen der weltweiten Governance-Transfers wollen wir herausfinden, in welchem Umfang und unter welchen Bedingungen regionale Organisationen willens, fähig und erfolgreich darin sind, die Institutionen in Mitgliedstaaten zu verändern.

Publikationsverzeichnis

Zeitplan und Aktivitäten