Modi der Handlungskoordination

= Interaktionsformen, die auf die Ermöglichung, Einschränkung und Ausrichtung von Handlungsoptionen abzielen, wobei sich hierarchische und nicht-hierarchische Koordinationsformen in ihrer Form unterscheiden.

 

Erläuterungen:

Hierarchische Koordination: Hierarchie als ein System der Über- und Unterordnung kennzeichnet die klassischen, vertikalen Formen hoheitlicher Steuerung. Handlungen werden hier in Form von Weisungen (Befehlen) koordiniert, denen sich Akteure unterwerfen müssen, weil ihre Einhaltung notfalls mittels Zwangsgewalt und gegen die Interessen der Akteure durchgesetzt werden kann. Eine besondere Form hierarchischer Handlungskoordination ist →Herrschaft.

 

Nicht-hierarchische Koordination: Nicht-hierarchisch sind Modi der sozialen Handlungskoordination, die ohne Befehl und Gehorsam auskommen. Dabei lassen sich unterschiedliche Typen unterscheiden, je nachdem, ob die zugrunde liegende Handlungslogik einer →instrumentellen Rationalität oder einer →kommunikativen Rationalität folgt.

 

Instrumentelle Rationalität: Durch die Strukturierung von Interessenkonstellationen lässt sich Handeln indirekt koordinieren. Die zugrunde liegende Handlungslogik ist die der rationalen Wahl (rational choice). Diese Form der Handlungskoordination macht sich also Interessenkalküle zunutze, indem sie Anreize oder Sanktionen setzt (z.B. bargaining) oder indem sie Regelungsstrukturen etabliert (z.B. institutionalisierte Selbstregelung, Verhandlungs- und Wettbewerbssysteme).

 

Kommunikative Rationalität: Hier unterscheiden wir drei Koordinationsformen: (1) Die Steuerung durch Diskursstrukturierung zielt darauf ab, (unhinterfragbare) Bedeutungen zu erzeugen (z.B. durch framing, i.e. durch den Versuch, Themen und Interpretationen durchzusetzen). (2) Die Steuerung durch Argumente setzt auf Lern- und Überzeugungsprozesse (z.B. arguing und rhetorisches Handeln). (3) Die Steuerung durch Symbole konzentriert Weltvorstellungen, Normen und Werte in sinnlich erfahrbaren Präsentationen; sie wirkt über die sinnliche Erfahrung auf das Handeln der Steuerungsadressaten ein.