Regieren ohne Staat? Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit

Risse, Lehmkuhl: Regieren ohne Staat?

Buchcover

Thomas Risse, Ursula Lehmkuhl – 2007

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts zeigt sich, dass herkömmliche Formen nationalstaatlicher Steuerung globalen Herausforderungen wie Umweltproblemen, humanitären Katastrophen und neuen Sicherheitsbedrohungen nicht gerecht werden. Governance ist auch deshalb in das Zentrum sozialwissenschaftlicher Forschung gerückt. Der Diskurs über Governance findet jedoch vor dem Hintergrund der entwickelten Nationalstaaten der OECD-Welt statt. In zwei Dritteln der Staatenwelt sind die Voraussetzungen moderner Staatlichkeit aber nur bedingt gegeben. Nicht nur in zerfallen(d)en Staaten, sondern auch in vielen Entwicklungsländern kann die staatliche Zentralgewalt nur in Teilen des Territoriums oder einzelnen Politikbereichen Entscheidungen durchsetzen. Wenn aber ein zentrales Konzept der Sozialwissenschaft für zwei Drittel der Staatenwelt nicht brauchbar ist, besteht neben einem theoretischen auch ein politisch-praktisches Problem. Im Rahmen einer Theorie des Regierens in historischen und gegenwärtigen Räumen begrenzter Staatlichkeit müssen deshalb die Governance-Konzepte im Hinblick auf ihre Übertragbarkeit auf die Nicht-OECD-Welt geprüft werden. Dieser Sammelband unternimmt einen ersten Schritt in diese Richtung.

Titel
Regieren ohne Staat? Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit
Verlag
Nomos
Schlagwörter
Staat, Fragile Staatlichkeit, Governance-Theorie, Teilprojekt A1, Teilprojekt B3
Datum
2007
Kennung
ISBN 978-3-8329-3154-4
Erschienen in
Schriften zur Governance-Forschung
Sprache
ger/deu

 

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

Thomas Risse/Ursula Lehmkuhl: Regieren ohne Staat? Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit

II. Theoretische Zugänge

Tanja A. Börzel: Regieren ohne den Schatten der Hierarchie: Ein modernisierungstheoretischer Fehlschluss?

Gunnar Folke Schuppert/Matthias Kötter: Rechtssicherheit jenseits des Staates?

Gerhard Göhler: „Weiche Steuerung“: Regieren ohne Staat aus machttheoretischer Perspektive

III. Colonial Governance

Ursula Lehmkuhl: Regieren im kolonialen Amerika: Colonial Governance und koloniale Gouvernementalité in französischen und englischen Siedlungskolonien

Sebastian Conrad: Wissen als Ressource des Regierens in den deutschen und japanischen Kolonien des 19. Jahrhunderts

Mechthild Leutner: Kooperationsnetze und Akteure im semi-kolonialen China, 1860-1911

IV. Sicherheit ohne Staat?

Sven Chojnacki/Željko Branović: Räume strategischer (Un-)Sicherheit: Ein Markt für nicht-staatliche Gewaltakteure und Gelegenheiten für Formen von Sicherheits-Governance

Ulrich Schneckener/Christoph Zürcher: Transnational Security Governance in fragilen Staaten. Oder: Geht Sicherheit ohne Staat?

Marianne Braig/Ruth Stanley: Die Polizei – (k)ein Freund und Helfer? Die Governance der öffentlichen Sicherheit in Buenos Aires und Mexiko Stadt

V. Entwicklung, Gesundheit, Umwelt: Die Rolle öffentlich-privater Partnerschaften

Marianne Beisheim/Andrea Liese/Cornelia Ulbert: Erfolgsbedingungen transnationaler Partnerschaften: Hypothesen und erste Ergebnisse

Tanja A. Börzel/Adrienne Héritier/Anna Kristin Müller-Debus: Der Regulierungsbeitrag von Großunternehmen im Kampf gegen HIV/AIDS in Südafrika

Harald Fuhr/Markus Lederer/Miriam Schröder: Klimaschutz und Entwicklungspolitik: Der Beitrag privater Unternehmen

Henrik Enderlein: Makroökonomische Stabilisierung in Schuldenkrisen: Zur Bedeutung von Governance-Aspekten in der Interaktion von privaten Gläubigern und staatlichen Schuldnern in Schwellenländern

VI. Regieren ohne Staat?

Beate Rudolf: Zwischen Kooperation und Intervention: Die Durchsetzung völkerrechtlicher Standards guten Regierens in Räumen begrenzter Staatlichkeit

Bernd Ladwig: Gebotene Fremdbestimmung? Normative Überlegungen zum Umgang mit zerfallen(d)er Staatlichkeit

Lars Brozus: Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit als Problem der Politik