Yasemin Pamuk

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Kurzbiographie

Studium der Islamwissenschaft und der Politikwissenschaft an der Ruprecht Karls Universität Heidelberg sowie der Turkologie an der Université des Sciences Humaines Strasbourg II. Seit 1998 freiberufliche Tätigkeit in den Bereichen gender equality, Friedensdialog, Minderheiten sowie Grundlagen der demokratischen politischen Kultur für das Regionalbüro MSOE der Friedrich Naumann Stiftung im Südkaukasus. Seit März 2006 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt B2 „Gutes Regieren“ ohne den Schatten der Hierarchie? Korruptionsbekämpfung im südlichen Kaukasus im Rahmen der EU-Nachbarschaftspolitik (Projektleitung Frau Prof. Tanja A. Börzel) des DFG Sonderforschungsbereichs 700 Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit: Neue Formen des Regierens? Seit Mai 2006 Mitarbeiterin im Büro des MdB Michael Link für die Themenbereiche OSZE und Südkaukasus.

Abstract des Dissertationsvorhabens

„Funktion klientelistischer Netzwerke in Räumen begrenzter Staatlichkeit: Ein Vergleich Armenien - Aserbaidschan“

Forschungsansatz und -ziele
Aus dem Bericht Governance Matters 2006 – Worldwide Governance Indicators des Weltbankinstituts geht hervor, dass Armenien und Aserbaidschan sowohl im Bezug auf die Qualität der Bereitstellung von öffentlichen Gütern als auch im Bereich der Politikformulierung bzw. deren Um- und Durchsetzung gleichermaßen schwache Staaten mit geringen Handlungskapazitäten sind. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei der Betrachtung der Ausprägung von Staatlichkeit in beiden Fällen in erster Linie nicht um Prozesse des Staatszerfalls, im Sinne anarchischer Räume ohne jede Form von Staatlichkeit, sondern vielmehr um Phänomene (partiellen) Staatsversagens. Ausgehend von diesen Überlegungen vertritt dieses Dissertationsvorhaben die Arbeitsthese, dass sowohl Armenien als auch Aserbaidschan als Räume begrenzter Staatlichkeit zu verstehen sind, in denen informelle Institutionen im Schatten demokratischer Legitimität kernstaatliche Funktionen übernehmen. Im Rahmen des Dissertationsprojekts fokussiert die Untersuchung informeller Institutionen dabei auf die Betrachtung klientelistischer Netzwerke, die als Formen sozialer und politischer Ordnung - d.h. als Organisationselemente politischer Aktivität - begriffen werden.

Das Dissertationsprojekt hat einerseits zum Ziel, das Verständnis für die Art und Weise zu erhöhen, wie und welche kernstaatlichen Funktionen seitens klientelistischer Netzwerke übernommen werden. Andererseits soll geprüft werden, inwieweit klientelistische Netzwerke den Grad an Entscheidungsautonomie sowie Handlungsfähigeit staatlicher Institutionen beeinträchtigen, wobei zwischen den drei Typologien Behinderung (Konkurrenz), Parallelität (Äquivalenz) und Kooperation (Interdependenz) unterschieden wird. Zuletzt soll die Analyse Aussagen darüber ermöglichen, welchen Einfluss klientelistische Netzwerke auf die Ausprägung und die Stabilität des jeweiligen politischen Systems haben (Destabilisierung vs. Stabilisierung).

Forschungsdesign
In Anlehnung an ein most similar systems design stützt sich das Promotionsvorhaben methodisch auf eine vergleichende qualitative Fallstudie der beiden südkaukasischen Staaten Armenien und Aserbaidschan. Die Datenerfassung erfolgt mittels Leitfadeninterviews nach dem Prinzip der Triangulation, Dokumentenanalysen sowie einer Netzwerkanalyse relevanter Gruppen (Positionsmethode).