Maritime Sicherheit in Lateinamerika

Cover: SWP-Studie

Cover: SWP-Studie

Günther Maihold, Daniel Brombacher – 2010

Der Begriff maritime Sicherheit bezieht sich auf die Freiheit der Schifffahrt, die Sicherheit von Schifffahrtswegen und Häfen sowie die Bekämpfung von Piraterie und Terrorismus. In Lateinamerika ist die Bedrohung durch gewaltsame Übergriffe in Häfen, in küstennahen Seegebieten und auf See durch das organisierte Verbrechen die größte Herausforderung maritimer Sicherheit. Piraterie auf Hoher See gibt es dagegen kaum. Das Risiko, Opfer eines Piratenübergriffs zu werden, ist im Vergleich zu Ostafrika oder Südostasien gering.1 Insbesondere für Kolumbien registriert das Worldwide Incidents Tracking System2 als terroristisch deklarierte Attacken, wobei es sich gewöhnlich um Entführungen oder gewaltsame Angriffe auf Boote von Hilfsorganisationen, auf das Militär oder zivile Ziele handelt. Zuzuschreiben sind solche Vorfälle der FARC-Guerilla und anderen bewaffneten Gruppierungen. Im Vordergrund des Interesses stehen dabei mit erpresserischen Mitteln eingetriebene Lösegelder sowie die Wahrung der Kontrolle über Einflussgebiete, die auch für die maritime Ausfuhr von Drogen genutzt werden. Insgesamt wurden in Zentral- und Südamerika zwischen 2004 und 2009 16 solcher Vorfälle gemeldet, bei denen 49 Menschen ums Leben kamen, 40 verwundet und 56 entführt wurden. Die Dunkelziffer ist weit höher anzusetzen. Aus dieser Betrachtung wird bereits deutlich, dass nicht Piraterie, sondern die maritime Unsicherheit in Verbindung mit dem organisierten Verbrechen die zentrale Herausforderung auf den lateinamerikanischen Seewegen darstellt. Einen besonderen Brennpunkt bilden dabei Vorfälle in Häfen, die sich in den letzten Jahren häufen. Hinzu kommt eine florierende Flusspiraterie, die vor allem auf den Wasserstraßen im Amazonasbecken ihr Unwesen treibt, von den Statistiken der International Maritime Organization (IMO) aber nicht erfasst wird. Insoweit darf der Fokus nicht auf Piraterie im völkerrechtlichen Sinne eingeengt werden, sondern muss auch Gewalt- und Eigentumsdelikte in Häfen, Küsten- und Binnengewässern einbeziehen. Besonders in der Inselwelt der Karibik und in den zerklüfteten Mündungsdeltas südamerikanischer Flüsse am Atlantik ist eine klare geographische und rechtliche Trennung zwischen Hoher See, nationalen Hoheitsgewässern und Mischwassergebieten oft schwierig.

Titel
Maritime Sicherheit in Lateinamerika
Verfasser
Günther Maihold, Daniel Brombacher
Verlag
Stiftung Wissenschaft und Politik
Ort
Berlin
Schlagwörter
Fragile Staatlichkeit, Gewaltakteure, Lateinamerika, Sicherheit, Teilprojekt C3
Datum
2010-06
Kennung
ISSN 1611-6372
Erschienen in
Mair, Stefan (ed.): Piraterie und Maritime Sicherheit. Fallstudien zu Afrika, Südostasien und Lateinamerika sowie Beiträge zu politischen, militärischen, rechtlichen und ökonomischen Aspekten, SWP Studie, No. 18, 54-61.
Sprache
ger
Art
Text