Bewährtes fortführen, Neues aufgreifen: Die "neuen" »Schriften zur Governance-Forschung«
Die »Schriften zur Governanceforschung« wenden sich ausdrücklich an Governance-Interessierte aller Disziplinen; die Veröffentlichungssprache ist je nach Thematik und Hintergrund der Autor/innen Deutsch oder Englisch. Um eine durchgängig hohe Qualität der Bände sicherzustellen, bieten die Reihenherausgeber eingehende Kommentare zu den für eine Veröffentlichung in Betracht gezogenen Manuskripten an. In Betracht kommen dabei sowohl herausragende deutsch- wie englischsprachige Dissertationen und Habilitationen wie auch klassische Monographien und Sammelbände.
Auch unter der erweiterten Herausgeberschaft werden die »Schriften zur Governance-Forschung« ein interdisziplinäres Kommunikations-Forum für die immer mehr an Bedeutung gewinnende Governance-Forschung bleiben und in dieser Eigenschaft alle interessierten Disziplinen zu Wort kommen lassen.
Governance und Rechtsetzung Grundfragen einer modernen Regelungswissenschaft
Die tradierte deutsche Gesetzgebungslehre kann, wie immer man ihre Leistungen ansonsten beurteilt, die gewaltigen Veränderungen ihres Gegenstandes in neuerer Zeit nicht mehr angemessen erfassen. Ein verändertes staatliches Aufgabenverständnis hat die Privatisierung und Hybridisierung der Normierung befördert, Europäisierung und Internationalisierung haben neue Formen nichtstaatlicher Rechtsetzung durch regulierte Selbstregulierung, Standardisierung, Codes of Conduct und andere Formen von sogenanntem „soft law“ entstehen lassen. Staat und Recht sind in vielen Bereichen graduell entkoppelt. Diese Veränderungen sind gleichwohl für ein zeitgemäßes Verständnis des Rechts als Steuerungsinstrument von höchstem Interesse. Sie können konzeptionell nur auf der Basis einer Regelungswissenschaft eingefangen werden, die juristische, sozialwissenschaftliche und Governance-Perspektive vereint. Folke Schuppert verdeutlicht an ausgewählten Referenzgebieten – wie der kooperativen Rechtsetzung, der privaten Standardisierung oder der transnationalen Regulierung – die Erkenntnisinteressen, die Leistungsfähigkeit und die Methodik einer solchen Regelungswissenschaft.
Prof. Dr. Gunnar Folke Schuppert 2011: Governance und Rechtsetzung: Grundfragen einer modernen Regelungswissenschaft, Baden-Baden, Nomos.
Der Rechtsstaat unter den Bedingungen informaler Staatlichkeit. Beobachtungen und Überlegungen zum Verhältnis formeller und informeller Institutionen
In der gegenwärtigen Diskussion über die zentrale Bedeutung von Rechtsstaatlichkeit für legitime Herrschaftsausübung – Gewährleistung von Rechtssicherheit, Unabhängigkeit der Gerichte, gleiche Rechtsanwendung ohne Ansehung der Person – wird die Frage nach den Funktionsbedingungen (westlicher) Rechtsstaatsvorstellungen häufig vernachlässigt. Kann Rechtsstaatlichkeit funktionieren, wenn die das jeweilige politische System prägenden Spielregeln – die „rules of the game“ – informaler Natur sind, wie etwa die informalen Tauschregeln von Korruption und Klientelismus? Um diese Frage beantworten zu können, bedarf es einer Vergewisserung über das Verhältnis formaler und informaler Institutionen (Regeln): Ergänzen sie einander, koexistieren sie friedlich oder widersprechen sie einander mit der Folge, dass ein Regelungstyp sich auf Kosten des anderen durchsetzt? Vielfältige Beobachtungen geben Anlass zu der Befürchtung, dass der Rechtsstaat nur auf dem Papier steht, auf dem Verfassungen gedruckt werden, wenn das tatsächliche Verhalten der Akteure von informalen Regeln bestimmt wird.
Prof. Dr. Gunnar Folke Schuppert 2011:Der Rechtsstaat unter den Bedingungen informaler Staatlichkeit: Beobachtungen und Überlegungen zum Verhältnis formeller und informeller Institutionen, Baden-Baden, Nomos.
Normative Pluralität ordnen. Rechtsbegriffe, Normenkollisionen und Rule of Law in Kontexten dies- und jenseits des Staates.
Normative Pluralität fordert die Idee normativer Einheit heraus, die dem staatlichen Recht und seiner Ordnung zugrunde liegt. Die Beiträge in diesem Buch thematisieren Erscheinungsformen normativer Pluralität in lokalen, nationalen und transnationalen Kontexten. Sie eröffnen einen gemeinsamen Blick von Rechts-, Sozial- und Kulturwissenschaften auf die infolge der Pluralität entstehenden Probleme und auf Vorschläge zu ihrer Bewältigung mit den Mitteln des Rechts.
Matthias Kötter/Gunnar Folke Schuppert (Hrsg.) 2009: Normative Pluralität ordnen. Rechtsbegriffe, Normenkollisionen und Rule of Law in Kontexten dies- und jenseits des Staates.
Weiche Steuerung. Studien zur Steuerung durch diskursive Praktiken, Argumente und Symbole
In drei explorativen Studien untersucht der Band aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven, was unter weicher Steuerung zu verstehen ist und wie sie funktioniert. Da Steuerung, auch wenn sie „weich“, d.h. nicht-hierarchisch erfolgt, eine Form der Machtausübung ist, werden moderne sozialwissenschaftliche Machttheorien zum Ausgangspunkt genommen.
Gerhard Göhler/Ulrike Höppner/ Sybille De La Rosa (Hrsg.) 2009: Weiche Steuerung. Studien zur Steuerung durch diskursive Praktiken, Argumente und Symbole, Baden-Baden, Nomos.
Transdisziplinäre Governanceforschung. Gemeinsam hinter den Staat blicken
Das Buch fragt nach der Bedeutung von Governance und der Governanceforschung für die Sozialwissenschaften: Welche Strukturen, Prozesse und Ziele beschreibt Governance? Wie lassen sich gewachsene Ausprägungen von Governance vergleichen? Und lässt sich Governance ohne den Staat denken?
Sybille De La Rosa,/Ulrike Höppner/Matthias Kötter (Hrsg.) 2008: Transdisziplinäre Governanceforschung. Gemeinsam hinter den Staat blicken. Baden-Baden, Nomos.
Staatszerfall und Governance
Zu erforschende Governance-Probleme stellen sich in den unterschiedlichsten Räumen von Staatlichkeit: Zum einen in den - und darauf war bisher das Hauptaugenmerk der Governance-Forschung gerichtet - vergleichsweise wohlgeordneten Staaten der OECD-Welt wie in postnationalen Herrschaftsverbünden wie der Europäischen Union (Stichwort: European Governance), ferner auf der globalen Ebene (Stichwort: Global Governance) sowie schließlich in Räumen, die man als Räume begrenzter Staatlichkeit bezeichnen kann. Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit, d.h. in so genannten »weak« oder »failing states«, war Gegenstand einer Ende September 2005 in Berlin von der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft und dem Wissenschaftszentrum Berlin veranstalteten Konferenz. Die dort gehaltenen Vorträge sowie einige ergänzende Beiträge werden im vorliegenden Sammelband dokumentiert.
Dr. Marianne Beisheim, Prof. Dr. Gunnar Folke Schuppert 2007: Staatszerfall und Governance, Baden-Baden, Nomos.
Regieren ohne Staat? Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit
Wie wird in zerfallen(d)en Staaten wie Afghanistan, aber auch überall dort, wo es keine moderne Staatlichkeit gibt, regiert? Der vorliegende Sammelband untersucht die Übertragbarkeit von Governance-Konzepten auf die Nicht-OECD-Welt. Damit wird ein Beitrag zu einer Theorie des Regierens in historischen und gegenwärtigen Räumen begrenzter Staatlichkeit geleistet.
Thomas Risse/Ursula Lehmkuhl (Hrsg.) 2007: Regieren ohne Staat? Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit (Schriften zur Governance-Forschung, Band 10), Baden-Baden.