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Steuerung

Unter Steuerung verstehen wir Modi der sozialen Handlungskoordination zur Einschränkung und Ausrichtung von Handlungsoptionen.

Dabei lassen sich unterscheiden:

(1) Hierarchische Steuerung: Hierarchie kennzeichnet die klassischen, vertikalen Formen hoheitlicher Steuerung. Es geht um Weisungen (Befehle), denen sich Akteure unterwerfen müssen und deren Einhaltung notfalls mittels Zwangsgewalt und gegen die Interessen der Akteure durchgesetzt wird. Eine besondere Form hierarchischer Steuerung ist Herrschaft (Definition und Erläuterung s.o.).

(2) Nicht-hierarchische Steuerung: Nicht-hierarchische Steuerungsformen sind Modi der Handlungskoordination, die nicht allein auf hoheitliche Gewalt zurückgreifen. Dabei lassen sich folgende Formen unterscheiden:

(a) indirekte Steuerung durch Rückgriff auf Interessenkalküle und Strukturierung von Interessenkonstellationen:

  • Steuerung durch Anreize und/oder Sanktionen (z.B. bargaining)
  • Steuerung durch Regelungsstrukturen (z.B. institutionalisierte Selbstregelung, Verhandlungs- und Wettbewerbssysteme)

(b) „weiche“ Steuerung durch horizontale Strukturierung von Handlungsoptionen:

  • Steuerung durch Diskursstrukturierung: Erzeugung von (unhinterfragbarer) Bedeutung, z.B. durch den Versuch, Themen und Interpretationen durchzusetzen (framing)
  • Steuerung durch Argumente: Einsatz von Lern- und Überzeugungsprozessen, z.B. arguing, rhetorisches Handeln und hypocrisy
  • Steuerung durch Symbole: Präsentation von Symbolen zur Erzeugung von Resonanz bei den Adressaten

Erläuterungen:

Mischformen politischer Steuerung: Bei unserer Differenzierung typischer Steuerungsformen handelt es sich um analytische Unterscheidungen, die der Kategorisierung und dem mapping des empirischen Materials dienen. Empirisch vorfindbar sind hingegen, häufiger als die Reinform, institutionalisierte Mischformen aus hierarchischer und nicht-hierarchischer Steuerung. Im modernen Staat werden Gesetze beispielsweise häufig nicht nur hierarchisch durchgesetzt, sondern auch über Aushandlungsprozesse mit gesellschaftlichen Akteuren.

Steuerung und „Schatten der Hierarchie“: Viele nicht-hierarchische Steuerungsformen erfordern mehr oder weniger lange „Schatten der Hierarchie“ (Fritz Scharpf ). Das Problem in den von uns untersuchten Räumen begrenzter Staatlichkeit ist oftmals, dass der „Schatten der Hierarchie“ extrem kurz ist, so dass nicht-hierarchische Steuerungsformen nicht nur komplementär zu hierarchischer Steuerung erfolgen, sondern diese substituieren (müssen).

Steuerung und Governance: Der Steuerungsbegriff ist eher akteurszentriert, wohingegen der Governance-Begriff eher auf Strukturen und Prozesse abhebt. Der Steuerungsbegriff erlaubt damit, systematisch Akteursinteressen, -identitäten und -ressourcen in den Blick zu nehmen und der „Machtblindheit“ des Governance-Begriffs entgegen zu wirken. Allerdings darf die Verwendung des Steuerungsbegriffs nicht dazu führen, in die alte Trennung zwischen handelndem Steuerungssubjekt (der souveräne Staat) und passivem Steuerungsobjekt (Gesellschaft) zurück zu fallen. Denn gerade in Räumen begrenzter Staatlichkeit ergibt diese Trennung wenig Sinn.

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Stand 15.07.2010

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